Kurz
Die St.Johannis-Kirche ist die erste Kirche, die sich die Evangelischen 1895 in Würzburg gebaut haben. Diese Kirche wurde beim Luftangriff auf die Stadt am 16. März 1945 fast völlig zerstört. Heute steht nur noch der Stumpf des alten Turmes mit dem Eingangsportal.
Die heutige Kirche wurde von dem Münchner Architekten Reinhard Riemerschmid errichtet und 1957 eingeweiht. Als Mahnmal erinnert sie uns an die Schrecken des Krieges und ruft uns zur Verantwortung für den Frieden.
Die Kirche ist barrierefrei.
Zeittafel
- 1885 Gründung eines Kirchenbauvereins mit dem Zweck, „in Würzburg eine zweite protestantische Kirche zu erbauen und eine zweite protestantische Pfarrei“ zu errichten ( - die erste war St. Stephan: 1803 im Zuge der Säkularisation als Benediktinerkloster aufgelöst und seitdem evangelische Pfarrkirche)
- 1893 Grundsteinlegung am 30. Mai
- 1895 Einweihung der im neugotischen Stil errichteten Kirche am 24. Juni
- 1930 Renovierung der Kirche
- 1945 Zerstörung der Kirche durch Bomben beim Luftangriff auf Würzburg am 16. März - nur der Turmstumpf bleibt stehen
- 1946-1948 Gottesdienste in der Kapelle des Luitpoldkrankenhauses
- 1948-1957 Gottesdienste in der Notkirche St. Johannis im „Luisengarten“ mit neuem „Zwölfbotenaltar“ von Karl Hemmeter
- 1953 KV-Beschluss zum Wiederaufbau der Kirche am alten Platz
- 1954 Entscheidung des Kirchenvorstands und Kirchenbauvereins für den Entwurf von Reinhard Riemerschmid
- 1956 Baubeginn am 3. Juli
- 1957 Einweihung am 4. Advent - Glocken gestiftet vom Fabrikanten Georg Schäfer aus Schweinfurt, gefertigt von der Glockengießerei Czudnochowsky in Erding - Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss schenkt der Gemeinde zur Weihe eine Altarbibel mit handschriftlicher Widmung
- 1960 Einweihung der neuen Orgel (Firma Beckerath)
- 1962 Einweihung des Schnitzwerks „Der wiederkehrende Christus“ im Altarraum von Helmut Ammann
- 1966 Gründung der Johann-Sebastian-Bach-Gesellschaft durch den Kantor Günter Jena
- 1968 Sanierung der Spitztürme und der Kirchenbeleuchtung
- 1969 Erstmalige Durchführung der Bachtage
- 1993 Aufstellung der Plastik „Tod durch Bomben“ von Vadim Sidur vor der Kirche
- 2008/09 Außensanierung der Kirche und Teilsanierung im Innern
- 2021/22 Turmsanierung
Die St. Johannis- Gemeinde
Die Kirche St. Johannis ist die Mitte der mitgliederstärksten evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde im Dekanat Würzburg. Für knapp 4.000 Gemeindeglieder ist sie der Ort für Gemeindegottesdienste, Taufen und Trauungen. Immer wieder wird sie von Menschen besucht, die vor Jahrzehnten hier getauft, konfirmiert oder getraut wurden.
Sie hat Zulauf. St. Johannis ist immer tagsüber geöffnet. Würzburger und Touristen besuchen sie. Sie betrachten die Architektur und die Kunstwerke in der Kirche. Immer brennen Kerzen in der Andachtskapelle und zeigen an: St. Johannis ist ein guter Ort, um innezuhalten und zu beten.
Sie ist im Leben der Stadt präsent. St. Johannis setzt Akzente im gesellschaftlichen und kulturellen Lebens Würzburgs. Am 16. März 2019 ist die Kirche zum Mahnmal für den Frieden erklärt worden. Die evangelische Regionalbischöfin und der Oberbürgermeister der Stadt betonten bei der Gelegenheit die Verpflichtung der Kirchen und der Stadt zum Frieden.
St. Johannis ist unübersehbar. Direkt neben der Residenz gelegen ragen ihre Türme hoch in den Himmel und bestimmen die Stadtsilhouette mit. Im Gesamtbild der anderen Türme Würzburgs fallen sie auf: Ihre Formensprache hebt sie ab.
St. Johannis trägt mit seiner besonderen Architektur zur Identifikation Würzburgs bei. Nur wenige Gebäude haben einen Spitznamen – diese Kirche schon. St. Johannis ist im Volksmund als „Batman-Kirche“ bekannt. Die Baugeschichte des Gotteshauses ist einzigartig: Der Turmstumpf der 1945 zerbombten Kirche ist in den Baukörper der neuen Kirche integriert. Bruchsteine und neues Material masern und gliedern das Kirchenschiff. Altes und Neues verbinden sich. Beides, die Schrecken des Krieges und der Gewaltherrschaft und der Wille zum Neubeginn sind ihr anzusehen.
St. Johannis ist ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur der Stadt: Die 1895 eingeweihte neugotische Kirche war der erste Neubau der evangelischen Gemeinden in der Geschichte der Stadt. Als nach der Bombennacht im März 1945 nur der Turmstumpf stehen geblieben war, entschloss sich die Kirchengemeinde, die Kriegsschäden nicht unsichtbar zu machen. Vor der Kirche fand 1993 die Skulptur des russischen Künstlers Vadim Sidur „Tod durch Bomben“ Aufstellung.
St. Johannis ist Mitglied der Nagelkreuz-Bewegung und somit Teil des europaweiten Netzwerkes, das sich für Erinnerung und Versöhnung einsetzt.
Der Name St. Johannis hat einen guten Klang: Die Gemeinde ist Sitz des Bachchores, der weit über Würzburg bekannt ist. Seit 50 Jahren richtet St. Johannis die Bachwoche aus – ein bedeutendes Ereignis im Kulturleben der Stadt. Da die Akustik der Kirche so außergewöhnlich gut ist, finden zahlreiche Konzerte von teilweise renommierten Ensembles in St. Johannis statt. Bis zu 800 Menschen füllen dann die Kirche.
Das Glockengeläut von St. Johannis
- d' – Betglocke: Gewicht 1,5 Tonnen, Aufschrift: „Ehre sei Gott in der Höhe“ (Lukas 2,14)
- e' – Herrenglocke: Gewicht 1,1 Tonnen, Aufschrift: „Seid Täter des Wortes“ (Jakobus 1,22)
- fis' – Kreuzglocke: Gewicht 760 Kilogramm, Aufschrift: „Kyrie eleison“ (Matthäus 17,15)
- a' – St.-Johannis-Glocke: Gewicht 525 Kilogramm, Aufschrift: „Ein neu Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe“ (Johannes 13,34)
- h' – Taufglocke: Gewicht 380 Kilogramm, Aufschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (Markus 10,14)
Unser Glockengeläut können Sie hier anhören.